Dienstag, 6. Oktober 2015

Die achtspurige A2 - Traum aller Betonköpfe

A 2 bei Herford: IHK und FDP hätten es gerne breiter. Foto: Teutoblicke

Eine ganze NW-Seite hatten Harald Grefe (IHK) und der allgegenwärtige Kai Abruszat (FDP) am 19.9.2015 zur Verfügung, um unter der Überschrift „Die Lebensader der Region“ ihre Betonpropaganda für eine Verbreiterung der Autobahn 2 auf acht Spuren auszubreiten. Es gab keine einzige kritische Frage, keine einzige Gegenstimme. Das sei hiermit nachgeholt.

Lebensader? Beton, Asphalt, Lärm und Abgase ohne Ende – das also ist, was die IHK unter Leben versteht. Ich denke an Leben, wenn ich Schmetterlinge flattern sehe oder Kinder lachen höre.
Was würde das kosten? Die Geländeeinschnitte durch den Teuto bei Bielefeld, den Stuckenberg bei Herford, das Wesergebirge bei Porta und den Obernberg bei Rehren müssten wahrscheinlich, die Weserbrücke bei Bad Oeynhausen und die Talbrücke bei Rehren müssten bestimmt verbreitert werden, ebenso zahlreiche Brücken über die A 2: Das kostet wahrscheinlich eine Milliarde an Steuermitteln. Sparkommissar Abruszat kann, wenn es um seine Lieblingsprojekte geht, ganz schön die Millionen raushauen. Und Grefe bemüht, um das vor den Steuerzahlern zu rechtfertigen, eine beliebte Lüge mit Zahlen: 55 Mrd. € an Steuern- und Mauteinnahmen des Staates aus dem Straßenverkehr stehen angeblich nur 10 Mrd. € Investitionen gegenüber. Grefe verschweigt uns hier die Investitionen der Länder und Kommunen, vor allem aber die gesamten Verwaltungs- und Personalkosten des Straßenverkehrs. Und dass der Gesetzgeber aus guten Gründen beschlossen hat, Energieverbrauch zu besteuern, um damit soziale Aufgaben des Staates zu finanzieren.
Welchen Sinn würde es machen? Dass hemmungslos weiterwachsender Lkw-Verkehr die Profite mancher Industrie- und Logistikbetriebe vergrößert, darauf hat Grefe in aller Offenheit hingewiesen. Dass gigantomanische Straßenbauprojekte die Profite der Bau- und Betonindustrie vergrößern, hat er lieber verschwiegen. Welchen Sinn macht es, der Lkw-Flut auf Kosten der Allgemeinheit immer weitere Schleusen zu öffnen? Die acht Spuren sind spätestens nach zehn Jahren genau so voll wie jetzt die sechs Spuren. Dagegen hilft nur, dass wir Nein sagen, wenn IHK und Spediteure jammern. Nein zum Flächenfraß, Nein zum Lärmterror, Nein zur Energie- und Geldverschwendung. Denn dann sind die Unternehmen gezwungen, über eine ökorationelle Logistik nachzudenken, die mit weniger Lkw-Fahrten auskommt. Das würde sogar Arbeitsplätze schaffen, etwa in zusätzlichen Lagern.

Leserbrief an die NW von:

Jens  J. Korff M. A.
BUND Regionalgruppe Detmold
Am Ostbahnhof 1, 33607 Bielefeld
Tel. 0521/ 3043 6987

Der Leserbrief wurde von der NW bis heute nicht veröffentlicht. Die dritte Nachfrage am 12.10. ergab, dass er angeblich in der Mailflut untergegangen war. Man bittet um Entschuldigung.

1 Kommentar:

  1. Die NW hat den Lesebrief, etwas gekürzt, am 27.10. dann doch noch veröffentlicht.

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