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Montag, 10. Juli 2017

"IHK will Feuer mit Öl löschen"

Naturschützer kritisieren Forderungen der Industrie- und Handelskammer zum Ausbau der OWL-Verkehrsinfrastruktur. Bestand sichern und erhalten statt kostspieliger Neubau und Erweiterung

 Vehement wendet sich die Bezirkskonferenz Naturschutz OWL  gegen die einseitige Bevorzugung des Straßenverkehrs  im Forderungskatalog der Industrie- und Handelskammer OWL zu Bielefeld (IHK). In dem Papier „Mobilität ist Zukunft“ werden 12 große Neu- und Ausbauprojekte im Verkehrsbereich gefordert, darunter allein 8 Straßenbaumaßnahmen. „Da wollen die Wirtschaftsvertreter Feuer mit Öl löschen, indem sie immer mehr und immer größere Straßen wünschen“, meint dazu Karsten Otte, Sprecher der Bezirkskonferenz Naturschutz OWL. „Das zieht nur neuen Verkehr an und vergrößert das Problem unter großen Verlusten an Lebensraum für Mensch, Tier und Pflanze, anstatt es einer Lösung näher zu bringen.“

Insbesondere auf dem Hintergrund der Regionalkonferenz zu einer besseren Zusammenarbeit in OWL am Mittwoch, die einen lobenswerten Ansatz zum Interessenausgleich darstellt, ist die Veröffentlichung eines derart einseitigen und für alle an Nachhaltigkeit interessierten Mitbürger provozierenden Papiers durch die IHK ziemlich kontraproduktiv, heißt es in der Pressemitteilung. Die geforderten Verkehrsprojekte, allen voran der achtstreifige Ausbau der A2 würden Hunderte von Hektaren Wälder, Felder und Siedlungsbereiche verschlingen. Landschaft und Landwirtschaft wären sehr stark betroffen. Die Zerschneidungseffekte von ultrabreiten Straßen  würden ohnehin bedrohte Tierpopulationen noch weiter verinseln.
 „Wir können diese Entwicklung nicht auf ewig fortschreiben, sondern brauchen eine Verkehrswende“, meint Otte dazu. Von den 12 Projekten im IHK-Katalog diene nur eines diesem Ziel: der Ausbau der Köln-Berliner Bahnstrecke. Ansonsten stehe der Verbrauch an Landschaft  in keinem Verhältnis zu dem langfristig zu erwartenden Vorteilen: „Auch wenn sie die A2 zehnspurig ausbauen, werden wir mit den Konzepten der 1960er Jahre nicht die Verkehrsprobleme des 21. Jahrhunderts lösen!“ so Otte weiter. Die Naturschützer hatten in dieser Hinsicht auf mehr Kreativität und ein weiterentwickeltes Konzept durch die Kammervertreter gehofft. Stattdessen würde durch die Bereitstellung von noch mehr Verkehrsfläche im zersiedelten OWL nicht nur den natürlichen Ökosystemen geschadet, sondern auch zusätzlicher Verkehr erzeugt: „Der Asphalt ist der Lebensraum des Autos. Da verhalten sich die Kraftfahrzeuge nicht anders als die Tiere: wenn mehr Lebensraum zur Verfügung steht, vermehren sich die Autos wie die Karnickel!“ so Otte weiter.

Vermutlich der Regierungswechsel in Düsseldorf mag die IHK zu diesem Papier beflügelt haben, die sich ebenso die Verminderung der zweifellos nervenaufreibenden Auto-Staus in NRW auf die Fahnen geschrieben hat. Was allerdings übersehen wird: viele der Staus entstehen an Baustellen, die „in letzter Sekunde“ den Zusammenbruch einer jahrzehntelang schlecht unterhaltenen Verkehrsinfrastruktur verhindern sollen. Diese lang anhaltende Vernachlässigung von Gemeinschaftseigentum ist den jeweiligen Bundes- und Landesregierungen anzulasten, weil den Straßenbaulastträgern keine ausreichenden Mittel für Reparatur und Renovierung zur Verfügung gestellt wurden. Stattdessen wurden höchst aufwändige und ökologisch sehr schädliche Neubautrassen durch die freie Landschaft geschlagen, weil dies mehr politisches Prestige versprach als „Schlaglöcher flicken“. Otte: „In einer solchen Situation, wo das Geld offenbar nicht einmal reicht, den Bestand angemessen zu sichern, an große Neuinvestitionen im Straßenbau zu denken, lässt Zweifel an der wirtschaftlichen Kompetenz der Fordernden aufkommen – und gerade dort hätte man sie ja erwartet!“
Kontakt: Karsten Otte
Telefon: 0163-83 400 21

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