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Freitag, 21. Juli 2017

Planen und Bauen für die Zukunft - Was können wir tun?

Gütersloh: Zu dem brisanten Thema hatten die Gemeinschaft für die Natur Gütersloh (GNU) und die Stiftung für die Natur Ravensberg zu einer Podiumsdiskussion geladen. Während der vielfältigen Diskussion am 12. Juli 2017 mit Vertretern der IHK, der Landwirtschaft, der Naturschutzverbände und der Behörden im Kreishaus Gütersloh wurde klar: Die größte Herausforderung der Zukunft, gerade auch in Ostwestfalen-Lippe, ist der Flächenverbrauch und der Umgang mit ihm. Dabei ist die Anzahl an ausbaufähigen Vorschlägen groß und es liegt nun daran, diese umzusetzen.

Wilhelm Gröver, Leiter der Abteilung für Umwelt beim Kreis Gütersloh, gab in seiner Präsentation zu bedenken, dass der Flächenbedarf im Kreisgebiet Gütersloh allein für Gewerbeflächen bis 2035 etwa 700 ha betrage, sich die derzeit vorhandenen Reserveflächen jedoch nur auf ca. 300 ha beschränkten.

Wirtschaftliches Wachstum ist wichtig, aber nicht alles

Diese wirtschaftlichen Bedürfnisse einbeziehend, brachte Andreas Westermeyer, Vorsitzender des landwirtschaftlichen Kreisverbands Gütersloh, es auf den Punkt: „Jede Partei braucht Wachstum!“
Das zeige auch der kommende Bundesverkehrswegeplan, der einen vierspurigen Ausbau der B61/64 länderübergreifend vorsehe.

Dieses Interesse sei nicht verwerflich, sagte Harald Grefe, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK Ostwestfalen. Denn die Region Ostwestfalen-Lippe gehöre zu den wirtschaftsstärksten Kreisen Deutschlands. Im Kreis Gütersloh stelle die Industrie mit einem Anteil von 45,6 % aller Arbeitsplätze den Motor der Region dar. Auf das Gewerbe entfielen, so Grefe, nur 1,49 % der Fläche in OWL und 2,07 % im Kreis Gütersloh; die größten Flächennutzer seien Wohngebiete und Verkehr.

Detlef Gerdts, Fachbereichsleiter Umwelt und Klimaschutz in Osnabrück und Mitbegründer des Bodenbündnis europäischer Städte ELSA e.V., stellte klar, dass, bezogen auf die Gesamtfläche, die Landwirtschaft der größte Flächennutzer ist.

Die anwesenden Interessenvertreter waren größtenteils der Ansicht, dass eine einseitig wirtschaftsfördernde Handlungsweise dem Schutz von Natur und Umwelt nicht gerecht werde. Nach dem Motto „Lösungsansätze müssen her!“ präsentierten sie eine Vielzahl von Ideen für Alternativen.

Wilhelm Gröver vom Umweltamt des Kreises nannte Maßnahmen wie bauliche Verdichtung, Verbesserung des öffentlichen Personennahverkehrs, Förderung des Fahrradverkehrs und ein generelles Flächenverbrauchsmonitoring. Petra L. Müller, Architektin und Diplom-Ingenieurin, zeigte an Projekten auf, welche urbanen Ressourcen in der „vertikalen und horizontalen Verdichtung“ liegen. Diese sparten nicht nur Fläche, sondern führten auch zu einer energetischen Optimierung.

Weitere Vorschläge waren eine intelligente Brachlandnutzung oder verpflichtende ökologische Baubedingungen für Gewerbebauten, etwa eine Vorschrift zur Dach-Begrünung oder zur Aufstellung von Photovoltaikanlagen. Gerdts berief sich dabei auf Positivbeispiele in der Schweiz und in Österreich.

Als andere Lösungsoptionen wurden genannt: eine Änderung der Grunderwerbssteuer und der Grundsteuer für unbebaute Flächen im Innenbereich, die Führung von Leerstands- und Brachflächenkatastern, die Vermeidung von Versiegelungen, eine grundlegende Änderung der Berechnungsmethoden und der Förderung des Flächenverbrauchs sowie ein intelligentes Flächenmanagement der Industrie. 

In Zukunft muss umgedacht werden

In der Diskussion stand oft die Kompromissfindung im Vordergrund. Ein Naturschützer aus dem Publikum bemängelte den generellen Mangel an fachlichem Know-how, was konkrete Alternativen zum Flächenverbrauch angehe. Alle Beteiligten im Publikum wie auf der Tribüne waren sich einig, dass auf allen Seiten ein gewisser Druck in Richtung Umdenken aufgebaut werden müsse. Einigkeit gab es auch bei der Forderung, das „Kommunenbelohnungssystem“ in Richtung nachhaltiger Flächennutzung umzustellen.

Als Resümee des spannenden Diskussionsabends ist mitzunehmen: Es gibt keinen Königsweg.
Nicht nur die Industrie muss Fläche sparen, auch die Bürgerinnen und Bürger sollten ihre steigenden Ansprüche an die individuelle Wohnfläche überdenken.

Kontakt:
BUND Bielefeld
Jens J. Korff
(Praktikantin Katharina Schneider)

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